Schulen wappnen sich für Schweinegrippe

Von Gertrud Schubert

Region - Umarmungen sind in Zukunft verpönt. Und gewöhnliche Stoffhandtücher werden aus den Schulen verbannt. Rechtzeitig zum Schulanfang am Montag erreicht jetzt die Schweinegrippediskussion die Klassenzimmer. Das Kultusministerium lässt an Lehrer, Eltern und Kinder Infoblätter austeilen, wie sie sich vor Ansteckung schützen können und was im Fall einer Erkrankung zu tun ist.

Regelmäßig Hände waschen mit Wasser und Seife empfiehlt das Kultusministerium großen und kleinen Leuten in der Schule als konsequente Vorbeugung. Doch wer macht das schon? In der Regel hängt neben dem Waschbecken im Klassenzimmer ein zunehmend nasses Handtuch, an dem ein jeder seine Hände abtrocknet. Einmal pro Woche wird es gegen ein frisches ausgetauscht. Papierhandtuchhalter sind - zumindest in den Klassenzimmern der 35 Heilbronner Schulen - meist Fehlanzeige. „Da fliegen sonst Papierkugeln durchs Klassenzimmer“, lehrt Thomas Czaszar vom städtischen Schulamt die Erfahrung. Die Lehrer sollten, so hat sein Amt die Devise ausgeben, bei Bedarf aus dem Pult Papierhandtücher austeilen.

Mit Seife? Seifenspender, die anstelle von Seifestücken benutzt werden sollten, gibt es in Heilbronner Klassenzimmer selten. Und wenn sie vorhanden sind, werden sie nicht gefüllt, berichtet Rektorin Doris Klotz von der Silcherschule. Zu verlockend ist es für die Kinder, mit der Flüssigseife rumzuschmieren. Auf den Schultoiletten sind, so sagt Thomas Czaszar, Seifenspender, Stoffhandtuchrollen oder Papierhandtuchhalter anzutreffen. Letztere sind jedoch häufig leer. Auch fehlt oft Klopapier. Es reizt Kinder, Grundschüler wie Gymnasiasten, immer wieder zu Experimenten. So eine Rolle passt wunderbar ins Abflussrohr. Nach der Schweinigelei samt Überschwemmung gibt es Ermahnungen und Papiersperre.

Keine Stoffhandtücher. „Ab Montag“, so hat Rektor Ludwig Müller von der Wartbergschule Heilbronn beschlossen, „wird es bei uns keine Stoffhandtücher mehr geben.“ Doris Klotz denkt auch als Erstes an die Handtücher: „Die waren schon immer ein Problem.“ Wie oft erlebt ihr Kollegium: „Wir stecken uns rundum immer wieder an.“ Die Stadt Heilbronn will über die Hausmeister den Hygienestandard beim Händewaschen erfassen und gegebenenfalls für Abhilfe sorgen, verspricht Thomas Czaszar. Dass jedes Kind ein (Gäste-) Handtuch mitbringt, hält Dr. Peter Liebert vom Städtischen Gesundheitsamt für wenig praktikabel. Wer hat ein Auge darauf, dass die Kinder ihr eigenes Handtuch benutzen und wo bewahren sie es auf, feucht im Ranzen?

Taschentuch. Ohne Sorge können, so der Amtsarzt, Papiertaschentücher in den offenen Papierkorb geworfen werden. Treteimer mit Deckel seien nicht nötig. Es komme allein darauf an, das Taschentuch nicht x-mal zu verwenden und das Virus nicht überall zu verteilen.

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