von Gertrud Schubert

Heilbronn - Lehrerin? Wirklich? Olga Schiffmacher (31) erntet ungläubiges Staunen, kommt das Gespräch auf ihren Beruf. Sie entspricht so gar nicht den üblichen Klischees - oder der eigenen Erfahrung: Viele der heute 30-Jährigen hatten einfach immer nur ältere Lehrer. Wer denkt schon dran, dass sie auch mal jung waren?

Die junge Lehrerin kennt das. Als sie sich nach dem Abitur am Mönchseegymnasium Heilbronn für die Pädagogische Hochschule entschied, dachten auch viele, sie wechsle "in Feindesland". Heute lacht sie: "Ja, Schülerperspektive."

 

traumberuf1_hnst.jpg

Das allgemeine Staunen indes verkehrt sich meist in Ver- und kurz darauf in Bewunderung, wenn Olga Schiffmacher erzählt, dass sie an der Hauptschule unterrichtet. Wieder überfallen sie, vor allem aber ihre Schüler härteste Vorurteile: Sind die nicht schrecklich undiszipliniert, aggressiv, wollen nichts wissen und so gar nichts lernen? Da sagt die Pädagogin gelassen: "Ich habe sie nicht so erlebt."

Mit wehenden Fahnen lief sie nach dem Studium vom Grundschul- ins Hauptschullager über. Und auch heute - "ich bin jetzt im fünften Schuljahr", sagt sie stolz - begegnen ihr an der Wartbergschule nette Kinder, "die geduldig mit mir sind und bereit, das zu lernen, was ich ihnen vorsetze". Beschönigt Olga Schiffmacher?

 

"Das Ergebnis nach 45 Minuten Matheunterricht darf nicht der Maßstab sein." Nicht die kleinen Schritte, das große Ganze, die Entwicklung der Kinder hellen den Alltag der Lehrerin auf. Von Klasse 7 bis 9 ist sie ihre Klassenlehrerin, 25 Schulstunden jede Woche mit ihren Schülern zusammen. Und in die zwei Stunden Theater-AG im Ganztagsschulangebot strömen auch ihre neue Siebener.

Da kennt man sich gegenseitig sehr genau. Und darauf kommt es an: auf die persönliche, authentische Beziehung zu jedem einzelnen Schüler. Nicht allein Leistung zählt. Mit Kreativität und Projekten kämpfen Olga Schiffmacher und ihre Kinder gegen die schlechte Stimmung an, die die Ausgrenzung in jedem einzelnen von ihnen verursacht. Ausgerechnet auf das schwierigste Alter - die pubertierenden Schüler - hat sich die Lehrerin gestürzt. "Ich habe einen hohen Anspruch" - an sich selbst und an die Schüler, die sie "weg vom Stoff, weg vom Bildungsplan" zum Schauspielern, Tanzen, Singen, Computern und Filmemachen bringt. "Die Lerninhalte sind da. Die Ziele erreichen wir. Nur der Weg ist unkonventioneller", sagt Schiffmacher und freut sich unbändig über kleine und große Erfolge.

Für ihr Projekt mit Schillers Handschuh-Ballade haben sie sogar einen Preis bekommen. Der Applaus, das öffentliche Lob, das Erlebnis, eben doch etwas zu können, das weckt Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen ihrer Schüler. In solches Gelingen ist Olga Schiffmacher verliebt. Deshalb ist Hauptschullehrerin ihr Traumberuf.