von Iris Baars-Werner

hnmalt.jpgKunstwirwerk - Heilbronn malt wie der Teufel. Vier Tage nach dem Start hat der Grafiker Peer Friedel über einhundert Bilder gezählt. Jede Stunde werden es mehr. Für das kollektive (oder der Volksbank angemessene: genossenschaftliche) Schwelgen in Acrylfarben und Motiven wurden die alten Kinos an der Allee zu einem Atelier auf Zeit umgestaltet. Am Eingang gibt es quadratische Leinwände und eine Schürze. Im großen ehemaligen Kinosaal warten 20 professionell ausgestattete Arbeitsplätze auf die Hobbykunstmaler. Mindestens 20: Als gestern die Malbegeisterten in Klassenstärke auftauchen, müssen weitere Tische platziert werden.

Hoch konzentriert wird gearbeitet, auch tags zuvor. Basira, Jaymie, Kadrye und Patrick von der Wartbergschule haben sich ins Abenteuer Malen gestürzt. Von der zwölfjährigen Kadrye stammt ein Herz mit herausgebrochenen Mosaiksteinen, Jaymie, 13, hat einen "Menschroboter" gemalt, die gleichaltrige Basira schwelgt in flächendeckendem Gelb. Patrick pinselt an einem Tornado auf dem Weg in die Stadt. In seinem Kopf spult sich derweil ein Lied von Xavier Naidoo ab: "Dieser Weg". Peer Friedel ist begeistert: "Ein tolles Bild". Patricks Sturm hat die Strommasten wie Streichhölzer umgeknickt.

Peer Friedel verfolgt die Malbegeisterung seiner Mitbürger bis in seine Träume. "Spätestens zum Wochenende müssen wir Leinwände nachordern", sieht er ein logistisches Problem "auf die deutsche Leinwandwirtschaft zukommen": Woher die Unterlagen nehmen, wenn die Aktion weiter Wellen schlägt? Noch mehr aber treibt Friedel die Frage um, wie er hunderte von Bildern (oder gar tausende?) zu einem Gesamtkunstwerk zusammenfügen soll. Vor allem: wo es aufhängen? Seine Sätze begleitet ein Strahlen.

Viele kommen wieder voller Vorfreude sind auch Hedwig Hartmann und Renate Degener. Am vorletzten Tag der "KunstWirWerk"-Aktion, nach Arbeitsschluss, da werden die beiden Haßmersheimerinnen zu Pinsel und Farbe greifen. Obwohl Hedwig einschränkt: "Malen kann ich ja nicht wirklich, nur nach Zahlen" ein vorgegebenes Motiv ausfüllen. "Im Ausmalen, da sind wir groß", lacht Renate. Die zwei sind Schwestern - und Kolleginnen. Mehrmals am Tag sorgen die Reinigungsfrauen im Auftrag der Volksbank Heilbronn für Ordnung und Sauberkeit im Atelier auf Zeit. Das Malfieber hat sie schon beim Zuschauen gepackt. Wie viele andere auch, die nach dem ersten Reinschnuppern sagen: "Ich komm morgen wieder." Dann aber zum Malen.