Von Bärbel Kistner

hnst_meral.jpg

Serie - Wir sind so froh, dass wir dich haben." Diesen Satz hört Meral Cekirge oft von ihren Kolleginnen und Kollegen an der Heilbronner Wartbergschule. Die 30-Jährige unterrichtet Mathematik, Englisch und Deutsch. Und ihre Familie stammt aus der Türkei. Die Kombination hat in Deutschland wie in der Region nach wie vor Seltenheitswert. Obwohl in den Klassenzimmern immer mehr Kinder und Jugendliche mit ausländischen Wurzeln sitzen, liegt der Anteil der Lehrer mit Migrationshintergrund bundesweit nur bei geschätzten ein bis zwei Prozent.
Dass Meral Cekirge an der Wartbergschule als Glücksfall empfunden wird, dafür sprechen eine ganze Reihe von Gründen. Empathie, die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, ist der vielleicht wichtigste. Die junge Lehrerin, die Ende Dezember ihr erstes Kind erwartet, hat selbst die typische Biographie eines Gastarbeiterkindes, die Eltern und die älteren Geschwister sind in der Türkei geboren. Das verschafft leichter Zugang zu türkischstämmigen Schülern und deren Eltern.

Deutsche Freunde - Wie wichtig der Kontakt zu Deutschen ist, um in die deutsche Sprache hineinzufinden, auch diese Erfahrung kann Meral Cekirge weitergeben. Ihre Familiensprache war und ist Türkisch, dass sie in Obereisesheim nur deutsche Freunde hatte, "war mein großes Plus". In den 80er Jahren sei dies einfacher gewesen, weil die Wohnquartiere einen geringeren Ausländeranteil hatten.
Das Problem, das ihr in vielen Elternhäusern heute begegnet: "Das deutsche Umfeld ist komplett ausgeschlossen." Nicht nur die Erwachsenen haben keinen Kontakt, auch der Nachwuchs sei außerhalb der Schule nur mit türkischen Kindern zusammen. Manche Familien wollten damit bewusst verhindern, dass ihre Kinder Einflüssen deutscher Freunde ausgesetzt sind. Dafür hat Meral Cekirge kein Verständnis.

Grenzen - Auch wenn sie als Mittlerin in solchen Fällen an ihre Grenzen stößt, gibt es mehr positive Geschichten zu erzählen. Etwa, wie sie türkische Eltern dazu gebracht hat, die Hauptschule mit anderen Augen zu betrachten und die Chancen zu erkennen, die die Werkrealschule bietet. Vorwürfe von Eltern, "wenn mein Kind nicht Türke wäre, hätte es bessere Noten", seien kaum noch zu hören.
Als Frau nicht anerkannt zu werden, das begegnet der sympathischen Pädagogin dann, wenn Jungen mit dem entsprechenden Frauenbild aufwachsen. Nicht nur deshalb wünscht sie sich mehr männliche Kollegen aus dem Kreis der Zuwanderer. Davon könnten vor allem auch Jungs aus Problemfamilien profitieren, "an die man schlecht herankommt und für die ein männliches Vorbild wichtig wäre".
Normalerweise haben Lehrer in türkischen Familien einen hohen Stellenwert, berichtet Meral Cekirge. "Man übergibt das Kind in die Hände des Lehrers, er ist Vater und Mutter und steht oft sogar noch höher, weil er Wissen vermittelt."