Gemeinsam auf Berufssuche

Von Gertrud Schubert

 

Heilbronn - Es ist eingekauft, gekocht, geputzt, alle Hausarbeit erledigt. Deshalb war der Samstagnachmittag der ideale Termin für die Elternwerkstatt. In der Wartbergschule drückten 197 Werkrealschüler und ihre Eltern gemeinsam die Schulbank. Alle hatten ein großes Thema: Berufsorientierung.

"Mein Sohn gewinnt ein Bewusstsein, dass es weiter geht nach der Schule." Firnze Yalcin besucht mit ihrem Neuntklässler Osman (14) zwei Werkstätten. Sandra Maier von der Handwerkskammer stellt den beiden viele Berufe vor. Und Heiko Rebstock erklärt Mutter und Sohn, was die Wilhelm-Maybach-Schule nach der neunten Klasse bietet.

Ali Karabulut geht mit seinem Sohn Emrullah (11) geradewegs zu den Zerspanungsmechanikern der Firma Durst. "Ich komme aus dem Fach", erzählt der Vater strahlend, endlich kann er seinem Jungen zeigen, was er den ganzen Tag über tut. Als Berufsalternative schauen Vater und Sohn noch bei der Heilbronner Stimme vorbei: Drucker wäre auch interessant. "Super" und "schön" finden sie den Werkstatttag, großartig, dass 18 Fachleute in ihrer Freizeit in die Schule kommen und Berufe für Hauptschüler vorstellen.

Prinzip

Kinder brauchen Rückenstärkung, Trost und Rat, wenn es darum geht, einen Beruf zu wählen und einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Die Eltern als Unterstützer zu gewinnen, ist das Prinzip des Projekts, das die Lernenden Region Heilbronn nach dem Start in Wertheim jetzt zum ersten Mal an einer Heilbronner Schule etabliert.

Projektleiterin Stefanie Arnold hat für den Werkstatttag in der Wartbergschule Referenten vom Lionsclub Heilbronn-Wartberg, von Banken und Kammern, aus Jugendhilfe und von der Agentur für Arbeit gewonnen. Alle Lehrer sind am Samstagnachmittag zur Stelle. Hocherfreut registriert Konrektorin Heike Wolff die überwältigende Resonanz: 425 Eltern, Kinder, Gäste sind in Turnhalle und Schule unterwegs und informieren sich. Wohlgemerkt: Gemeinsam. Das ist der Sinn der Sache.

Mit Klassenfoto und handgeschriebener Einladung bat jeder Schüler seine Eltern zu kommen. Nicht alle reagierten darauf mit Verständnis. Selbst am Werkstatttag gibt es Eltern, die ihre Kinder nur abgeben. "Man muss die Eltern in die Richtung schubsen", sagt Ali Karabulut: "Die Kinder haben es nicht so leicht, wie wir es damals hatten."

Die Elternwerkstatt begleitet die Wartbergschüler künftig von Klasse 5 bis 9. Nächster Termin: Coaching der Neuntklässler in der IHK Heilbronn-Franken. Immer wieder sind die Eltern miteinbezogen.