Undenkbar vor wenigen Jahren: Schülerkunst auf einem Hauptschulflur. Und was für welche! Da kann manch Gymnasium nicht mithalten. "Kunst an der Schule − die Kunst Schule zu machen": Für das Großprojekt lockte Ludwig Müller zehn Künstler aus ganz Deutschland in seine Schule. Sie, die Schüler, viele Folgeprojekte mit Michael Hieronymus, einem ehemaligen Wartbergschüler, hinterließen höchst beachtliche Spuren. "Kunst sorgt für großes Wohlbefinden", daran wollte Ludwig Müller seine Schüler und Lehrer teilhaben lassen. Mit der Zirkusfamilie Riedesel holte er alle paar Jahre für die Grundschüler ein Selbstbewusstseinstraining ins Schulhaus. Selbstvertrauen, Geschicklichkeit, Mut lernten sie mit dabei − unmerklich.

Unvorstellbar auch, ein Schulgelände mit der ganzen Schulgemeinde auf den Kopf zu stellen. Jede Klasse, die Kleinen wie die Großen entwarfen ihren Traumschulhof und stellten ihre Pläne wie Landschaftsarchitekten in der Halle aus. Alle wählten, was ihnen am wichtigsten ist: Labyrinth und Atrium, Burgbergtunnel, Kletterwand und Bauwagen, insgesamt neun Projekte verwirklichten die Schüler, unterstützt von ihren Lehrer, Eltern und Fachleuten. Was haben sie dabei nicht alles gelernt: Rechnen, Physik, Chemie, Planen am Computer und miteinander Arbeiten, Auskommen, Mitmachen. Der kreative Umgang mit dem Bildungsplan belebte das Schulleben.

Kunterbunt Unglaublich, dass Müller die doppelstöckige Sporthalle als sein "schönstes Schulerlebnis" bezeichnet. Wahrscheinlich weil sie so kunterbunt und toll ist. Und weil er mit unendlicher Beharrlichkeit alle Verzagtheit und allen Widerstand aus dem Weg räumte. Jahre hat das gedauert. Schon sein Vorgänger hatte versucht, die Sportmisere zu beenden. Es ist gelungen.

36 Jahre war Ludwig Müller Lehrer. Da war so viel los. Da hat er so viel erlebt. Und immer haben die Hauptschüler gespürt, dass da einer vor ihnen steht, der sie versteht: ein Starkstromelektriker, der sich auf dem zweiten Bildungsweg zum Lehrer gemausert hat. So einer ist anders, den kann man ernst nehmen.